SALZBURG (eds/ah) / Die Figuren
sind kaum vier Zentimeter hoch, geschaffen mit Akribie und viel Liebe
zum Detail. "Besonders schwierig war es, dieses ‚Handerl' zumachen",
sagt Rupert Beran und präsentiert stolz das "reparierte"
Jesuskind. Der Stellvertretende Obmann des Salzburger
Landeskrippenverbandes hat es sich mit sechs weiteren Kollegen
zur Aufgabe gemacht, die berühmte Michaelskirche-Krippe aus den
1950er Jahren zu restaurieren. Angefangen von der "Verkündigung
an Maria" über die Weihnachtsgeschichte bis hin zu den
Ostergeschehnissen werden den Besuchern diverse biblische
Geschichten bis Fronleichnam näher gebracht.

Rupert Beran (l.) und Kollege Franz
Brennsteiner (r.) fügen die Kulisse für die Krippe in der
Michaelskirche zusammen. Foto: eds.
In 165 Stunden Arbeit wurde die Krippe aus den 1950ern restauriert und
erzählt bis Fronleichnam Geschichten aus der Bibel.
Bei 36 Figuren haben wir
Hände und Füße angefertigt, bei 20 Tieren die Hörner beziehungsweise
Ohren wieder hergerichtet", erzählt Beran währenddessen er den
Baum für die Ölbergszene in die Kulisse hineinsteckt. "Das waren
insgesamt zirka 165 Stunden Arbeit." Aufgrund von Platzmangel und
falscher Lagerung sei die kunstvoll gestaltete Krippe im Laufe der Jahre
etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. Jetzt wurden Beschädigungen
von den Krippenbauern ausgebessert. "Ich hab' sehr darauf geachtet,
dass es alt ausschaut", berichtet Beran und weist auf die spezielle
Herausforderung der farblichen Übereinstimmung bei den Figuren hin,
sodass alte und neue Körperteile auch perfekt harmonieren. Es solle
schließlich nach Original aussehen.
"Schauplatz Salzburg"
Es wird sehr oft nach der
Krippe gefragt", informiert Frater Virgil. Darum haben die
Verantwortlichen für die Michaelskirche, die Erzabtei St. Peter,
beschlossen, die Darstellungen nach einigen Jahren Pause wieder der
Öffentlichkeit vorzuführen. Zwei Besonderheiten haften diesem
Kunstwerk an: Erstens ist es die am längsten ausgestellte Krippe.
"Bis Fronleichnam werden biblische Szenen präsentiert", sagt
der Ordensmann. Zweitens spielen sich die Ereignisse vor der Kulisse
Salzburgs ab: Die weihnachtlichen Geschehnisse ereignen sich im Bezirk
St. Peter, in der Fastenzeit fungiert der Kapuzinerberg als Hintergrund.
Diese lokale Anspielung solle darauf aufmerksam machen, dass die
Weihnachts- und Ostererlebnisse auch bei uns gegenwärtig sind, sagt
Frater Virgil.
"Das ist Volkskultur"
Durch dieses besondere
Kleinkunstwerk solle die Salzburger Krippentradition nicht in
Vergessenheit geraten, ist sich das Aufbau-Team einig. Die Besucher
können auf Entdeckungsreise gehen und einige Zeit vor dem Bildnis
verweilen. Erst bei genauerem Hinschauen würden Details sichtbar
werden, versichern die Krippengestalter. Kleinigkeiten wie zum Beispiel
der Pfanneninhalt des Maronibraters in der Verkündigungs-Szene oder die
präzise geschnitzten Gliedmaßen der Figuren lassen die Bilder zu
Geschichten werden.
Die Krippe in der
Michaelskirche wurde in den 50er Jahren von einem der damals
renommiertesten Krippenschnitzern des Landes geschaffen: Josef Klampfer.
Gemeinsam mit Pater Pius Hochreiter vom Stift St. Peter gestaltete
der Schleedorfer zudem die prächtigen Kulissen, die für ein
eindrucksvolles Gesamtbild sorgen. "Kork und Holz sind die beiden
Hauptmaterialien des Kunstwerkes", erzählt Rupert Beran und
verschwindet im Nebenraum, in dem sich der imposante, steil aufragende
Festungsberg mit den bewachsenen Hügeln befindet - im Miniformat
selbstverständlich. "Das ist Volkskultur, die nicht verloren gehen
darf", schallt es durch die Sakristei. "Ich war schon mit
meinen Eltern hier. Und ich möchte auch mit meinen Enkerln
herkommen", freut sich Beran.

Diese Kreuzigungsszene ist während der
Fastenzeit zu sehen. Foto: eds.
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